Lesung mit Fernsehkommissar Steffen Schroeder zum Thema „Knast – warum?“

teilen 10.01.2018

Mit Stolz blicken wir auf eine gelungene Vortragsveranstaltung im Rahmen unserer Reihe „Kanzlei mal anders“ zurück. Der als Kommissar Tom Kowalski aus der ZDF-Serie SOKO Leipzig bekannte Schauspieler Steffen Schroeder las am vergangenen Montag aus seinem neuen Buch mit dem Titel „Was alles in einem Menschen sein kann: Begegnung mit einem Mörder“. Im Anschluss diskutierten Justizminister Stefan Toscani, Pascal Jenal als Leiter der JVA Saarbrücken und unser Kollege Professor Dr. Guido Britz mit dem Autor über aktuelle Fragen des Strafvollzugs unter dem Thema „Knast-warum?“

Der 43-jährige ehemalige Burgtheaterschauspieler Schroeder wurde von unserer Kanzlei eingeladen, im Rahmen einer Lesung seine Erfahrungen aus dem Umgang mit einem verurteilten Mörder zu schildern. Den meisten Gästen war Schroeder bislang nur als Fernsehkommissar („SoKo Leipzig“) bekannt. Dass er daneben ehrenamtlich im Strafvollzug tätig ist, wusste wohl kaum einer der geladenen Gäste.

Ebenso eindrucksvoll wie beklemmend beschrieb Schroeder durch das Vorlesen ausgewählter Passagen aus seinem Buch seine Erfahrungen zum Gefängnisalltag in der JVA Berlin Tegel als ehrenamtlicher Vollzugshelfer. Der Schauspieler schaffte es über eine Stunde lang die über 120 Zuhörer im Sankt Ingberter Sudhaus Genussloft in seinen Bann zu ziehen. Dabei kam ihm sein Können als Schauspieler spürbar zugute. Es gelang ihm durch unterschiedliche Betonungen und der wörtlichen Wiedergabe von Dialogen mit dem von ihm betreuten Inhaftierten die entsprechende Dramatik der Gespräche, aber auch deren teilweise Schlichtheit zu unterstreichen.

Mindestens genauso interessant war die sich anschließende Podiumsdiskussion. Jeder der eingeladenen Teilnehmer konnte aufgrund seines eigenen beruflichen Backgrounds die Erfahrungen des Autors aus seiner Perspektive auf den „Knast“ und den Strafvollzug im Allgemeinen nachvollziehen.

Pascal Jenal als Leiter der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken („Lerchesflur“) betonte, dass es im Strafvollzug auch darum geht, die Inhaftierten zu motivieren und Freizeitveranstaltungen anzubieten. Die Tatsache, dass die Inhaftierten auf das Leben danach vorzubereiten sind, darf aus seiner Sicht jedoch nicht dazu führen, dass die Inhaftierten ihren Freiheitsdrang verlieren und es sich im Knast allzu gemütlich machen. Er vertrat im Hinblick auf die Überfüllung der Gefängnisse auch die Auffassung, dass teilweise Inhaftierungen erfolgen, bei denen aus seiner Sicht die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt ist, insbesondere bei Ersatzfreiheitsstrafen, also Freiheitsstrafen, die nur deshalb vollzogen werden, weil der Beschuldigte die ihm gegenüber verhängte Geldstrafe nicht begleichen kann, was häufig bei „Schwarzfahrdelikten“ eintritt.

Justizminister Toscani erklärte, dass von 200 Mio €, die im Justizhaushalt im Saal zur Verfügung stehen, 30 Mio € für den Strafvollzug eingesetzt werden. Er zeigte sich auf Nachfrage offen für Ideen für alternative Bestrafungen und verwies auf die Diskussion, dass der Entzug der Fahrerlaubnis als Alternative zur Freiheitsstrafe in Betracht käme.

Die beiden Kanzleikollegen Franz Abel und Professor Dr. Britz moderierten die Veranstaltung bzw. die Podiumsdiskussion und waren sichtlich erfreut über den großen Zuspruch den die Veranstaltung erfahren hatte. „Das war die sicherlich interessanteste Kanzleiveranstaltung aus unserer Reihe „Kanzlei mal anders“, was sicherlich an der tollen Lesung von Steffen Schroeder lag, aber auch an den sehr interessanten Diskussionen auf dem Podium, die den Zuhörern den Alltag des Strafvollzugs eindrucksvoll näher brachten“, brachte es der geschäftsführende Partner Professor Dr. Guido Britz im Anschluss auf den Punkt.

Einen kleinen Zusammenschnitt des Abends finden Sie bei Youtube in unserem Kanzlei-Channel.